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Ostersonntag 2026 in Obernburg

In Obernburg wurde Ostern am Sonntag gefeiert: Pfarrer Simon weihte das Osterwasser und predigte über die symbolträchtigen Kirchenfenster, die Hoffnung und Trost spenden.

Tja, jetzt sind alle ganz gespannt, was am Samstag passieren würde, aber die Antwort ist:in Obernburg nichts, weil wir heuer die Gemeinde ohne Auferstehungsfeier waren. Ist aber kein Problem, wir haben das am Ostersonntag nachgeholt.

Pfarrer Simon zog mit den Messdienern und Weihrauch in die festlich geschmückte Kirche ein - aber warum eigentlich? Tja, die Männer damals waren in einem Raum versammelt und hofften, nicht aufzufallen. Die Frauen gingen zum Grab. Dann geht die Geschichte eigentlich so unerfreulich weiter, wie sie am Freitag geendet hatte: nicht nur war Jesus tot, er war auch noch weg! Aber dann kam er und offenbarte sich. Ausdrücklich sagte er den Frauen, sie sollten den Jüngern sagen, er sei auferstanden. Das machten sie auch - aber ohne Erfolg, wie wir am Montag sehen werden. Selber schuld, oder?

Wir hingegen glauben, dass Jesus auferstanden ist und freuten uns. Pfarrer Simon weihte das Osterwasser und segnete alle damit sehr großzügig. Anschließend predigte er über die Fenster in der Pfarrkirche, die heuer 60 Jahre alt werden. Sie finden die Predigt unten im Wortlaut, vielen Dank! 

Die Ostersonne erleuchtet das Dunkel
Bildpredigt zu einem Fenster von Hans Dumler in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Obernburg

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer!
Wenn ich hierher in die Kirche komme, dann fällt mein Blick unweigerlich auf das große, bunte Glasfenster über dem Altar.
Für mich ist es ein österliches Bild. Deshalb habe ich es zum Thema meiner Osterpredigt gewählt.

Das Glasfenster stammt von dem Künstler Hans Dumler.
Er lebte von 1922 - 2017.
In der Fachwelt galt er als anerkannter Künstler, der mehrfach durch Preise ausgezeichnet wurde. Nach dem Neubau dieser Kirche (von 1964-1965) gestaltete Hans Dumler im Jahr 1966 die neun Glasfenster dieser Kirche - also heuer genau vor 60 Jahren.
Bei den Fenstern in unserer Kirche handelt sich um moderne zeitgenössische Kunst.
Es sind abstrakte Darstellungen zu Themen des Glaubens. Moderne Kunst ist anspruchsvoll. Ihre Aussage ist meist auf den ersten Blick nicht erkennbar. Zudem ist sie nicht eindeutig, sondern vieldeutig. Eine Darstellung lässt sich auf ganz verschiedene Weise deuten. Sie werden vielleicht etwas ganz anderes herausfinden als ich.
Deshalb muss ich vor einem solchen Bild innehalten und still werden … meine Gedanken aufsteigen lassen und ihnen nachspüren. Genau genommen sind moderne Bilder in ihrer Un-Eindeutigkeit Einladung zur Meditation.
Ich habe lange hier in der Kirche gesessen und dieses Glasfenster auch mich wirken lassen.

Was sehe ich?
Zuerst wird mein Blick von der leuchtenden Mitte des Fensters angezogen.
Der hellste Punkt im Zentrum ist ein leuchtendes helles Orange.
Um diesen hellen Kern legen sich Schichten in kräftigen orangen bis sattroten Farben, die sich immer dunkler färben. Das feurige Zentrum wird darunter eingefasst von einem dunklen ... blaugrauen Streifen. Wie eine Welle zieht er sich von unten nach rechts oben. Dann bricht noch einmal das leuchtende Rot in einem schmalen Streifen durch.
Im unteren Bereich sehe ich zwei Bögen, die sich nach links und rechts ausstrecken. Sie sind in einem sanften Grau und tiefen Violett gehalten. Schwarze Linien durchkreuzen senkrecht und waagrecht das ganze Fensterbild. Es sind die Rahmen für die Einfassung der Glasscheiben. Die schwarzen Bleiruten bilden in ihren Schnittlinien viele Kreuze, die das ganze Bild durchziehen und irgendwie bedrohlich wirken.

Welche Botschaft hat nun dieses Fensterbild?
a. Die leeren Hände
Die zwei dunklen Bögen im unteren Teil des Bildes sind für mich ein Symbol für alles, was in unseren Leben dunkel und bedrohlich ist.
Unser Lebensweg führt durch viele Nächte, durch die wir hindurch müssen:
Enttäuschungen … zerbrochene Beziehungen … Ängste und Unsicherheiten … körperliche und
seelische Schmerzen … und schließlich der Tod.
Er ist wohl die dunkelste Nacht in unserem Leben.

Die schwarzen Kreuzlinien im Fenster erinnern mich an den Karfreitag: an das Kreuz, das Jesus getragen hat und die vielen Kreuze, die Menschen aufgeladen sind.
Sie deuten an, dass unsere Pläne und Hoffnungen oftmals durchkreuzt werden. Solche dunklen, grauen Phasen - irgendwann erlebt sie jeder von uns in seinem Leben.
Dann erwacht in uns die Sehnsucht, es möchte doch anders sein. Beim Betrachten des Fensters haben sich diese zwei dunklen Bögen im unteren Bereich für mich
zu einer offenen Schale geformt.
Ich sehe in ihnen zwei Hände, die nach oben gestreckt und bereit zum Empfangen sind. Diese leeren Hände drücken für mich die Sehnsucht aus, die wir alle im Herzen tragen.
Sie kann bei jedem ein anderes Gesicht haben - aber sie ist da: Es kann die Sehnsucht nach einem Menschen sein, der mich versteht und annimmt wie ich bin,
die Sehnsucht nach Frieden in der Welt … in der Familie ... mit der Nachbarschaft, die Sehnsucht, endlich wieder gesund zu werden, die Sehnsucht, dass das Kreuz, das mir aufgeladen ist, von mir genommen wird oder dass es wenigstens jemand mir tragen hilft.
Für einen gläubigen Menschen ist es auch die Sehnsucht und die Hoffnung, bei Gott die Erfüllung des Lebens und eine ewige Heimat zu finden.
Die zur Schale geformten Hände sagen mir: Ich darf Gott meine Sehnsüchte und unerfüllten Wünsche hinhalten. Ich darf vor ihm meinen grauen Alltag …meine dunklen Nächte … meine Ängste und meine Leiden ausbreiten - im Vertrauen: Er wird meine dunklen Nächte erhellen und meine leeren Hände füllen.


b. Die Ostersonne
Dass Gott unsere Sehnsüchte und Hoffnungen nicht enttäuscht, - dafür steht die leuchtende Mitte im Zentrum des Fensters.
Sie bezeugt uns allen: Das Licht ist heller als die Dunkelheit, das Leben stärker als der Tod.
Jesus hat das erfahren, als er die tiefste Nacht seines Lebens durchlitten hat: den Tod am Kreuz: Da erfährt er: Gott lässt nicht im Tod. Er schenkt Leben.
Denn Gott ist die Liebe - und Liebe will, dass der Geliebte lebt. Das ist das Festgeheimnis von Ostern: Gott lässt in unsere Todesnächte sein Licht des Lebens leuchten.
Unser heutiges Evangelium will uns in diesem Vertrauen bestärken. Maria von Magdala geht zum Grab, „als es noch dunkel war“, - so haben wir vorhin im Evan-
gelium gehört. (Joh 20,1)
Dunkel - nicht nur äußerlich. Nacht ist es auch in ihr, weil sie einen Freund verloren hat, dessen Grab sie nun besuchen will. Dann aber begegnet sie dem Auferstandenen - und die Nacht wird für sie zum Tag.
Der Evangelist Markus greift in seinem Evangelium dieses Bild auf. Er sagt: Am ersten Tag der Woche kamen die Frauen in aller Frühe zum Grab, „als eben die
Sonne aufging“. (Mk 16,2)
Mit der aufgehenden Sonne ist nicht nur die Sonne am Himmel gemeint. Der auferstandene Christus ist die Sonne, die aufgegangen ist. Diese Ostersonne strahlt uns mit ihren leuchtenden Farben aus dem Fenster unserer Kirche entgegen. Sie verkündet uns die frohe Botschaft: Jesus lebt.
Denn Gottes Macht ist stärker als der Tod.
All die Dunkelheiten unseres Lebens … die vielen Kreuze, die unser Leben durchkreuzen … die Tode, die wir sterben, - sie haben nicht das letzte Wort.
Das letzte Wort spricht Gott.
Er ruft aus dem Dunkel des Grabes in das Licht des Lebens.

Immer wenn wir diese Kirche betreten, verkündet uns das bunte Glasfenster diese mutmachende Botschaft.
Ich möchte sie tief in meinem Herzen bewahren. Denn sie bewahrt mich vor Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, wenn manche meiner Lebens-
pläne durchkreuzt werden … wenn mein Lebensweg durch den grauen Alltag oder gar durch dunkle Nächte führt.
Eine Einladung an uns

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer!
Wenn es in Ihrem Leben Tage gibt, an denen Sie düstere Gedanken quälen und es Ihnen schwer ums Herz ist, an denen Sie eine tiefe Enttäuschung erlebt haben,
an denen Sie tieftraurig sind über einen Menschen, den Sie so sehr vermissen, - dann kommen Sie hierher in die Kirche.
Bringen Sie all das mit, was Ihnen auf der Seele brennt.
Vertrauen Sie Ihren Kummer dem gekreuzigten Jesus an, auf den Ihr Blick über den Altar fällt.
Schauen Sie darüber auf die geöffneten Hände des Fensters und öffnen Sie Ihre eigenen leeren Hände im Vertrauen, dass Gott sie füllt.
Lassen Sie dann Ihren Blick weiter nach oben gleiten zum leuchtenden Licht der Ostersonne … zum feurigen Rot der Liebe Gottes.

Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen dann neuer Lebensmut und neue Hoffnung geschenkt wird.
Denn alle Dunkelheiten, die wir jetzt erleben, sind noch nicht das Ende.
Was Jesus an Ostern erfahren hat, das dürfen auch wir für uns erhoffen:
Gott, der die Liebe ist, führt durch das Kreuz ins Licht … durch den Karfreitag zum Ostersonntag… durch den Tod ins Leben.
So dunkel und grau unser Leben manchmal sein mag - über ihm leuchtet die Ostersonne.
Friedbert Simon