Also, Petrus, ich muss zugeben: Unsere Wallfahrt magst Du irgendwie nicht, aber Dein Patrozinium kennst Du.
Daher: bei warmem, aber nicht heißem Wetter konnten wir in St. Peter und Paul, Obernburg, das Patrozinium feiern. Festprediger war Diakon Ricker, der eine geschliffene, größtenteils gedichtete Predigt vorbereitet hatte. Sie finden sie im Original unten. Er spann einen weiten Bogen von der vorchristlichen Zeit zu Heute und bilanzierte:
So gehen wir aus der Geschichte Zeit,in Gottes Zukunft in dieser Stunde heut.
Die Richtschnur ist und bleibt die Froh-Botschaft, die euch als Obernburg Kirche eine geniale Zukunft schafft.
Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst von dem Projektchor des pastoralen Raums mit Markus Heinrich und Niklas Steinzer an der Orgel. Es war wunderbar und wir danken allen herzlich, denn oben auf der Empore war es sicher noch ein bisschen heißer.
Danach aber kam die Hauptsache: die Wette! Aus 29 Flaschen Wein, die das Gemeindeteam zusammengetragen hatten suchten die Minis 6 Flaschen aus. Diese wurden in (extra!) bunte Gläser gegeben und Pfr Rettinger musste erkennen, welches der Messwein war. Wir wollten ja gewinnen, deswegen wqaren sicher 25 Flaschen, wie der Messwein, Bacchus. Der Rest war zumindest auch weiß. Trotzdem wurde es tatsächlich knapp; nach sorgfältiger Verkostung sagte Pfarrer Rettinger:"entweder E oder F" - dann musste er sich festlegen und erwischte den falschen! Daher muss nun Pfr Rettinger den Messdienern eine Runde Döner ausgeben und nicht das Gemeindeteam.
Anschließend saßen noch alle bei insgesamt 11 Flaschen Wein beisammen und unterhielten sich gut, am ersten warmen Tag nach der Hitzewelle (danke, Petrus!).
Herzlichen Dank allen Mitwirkenden!
Predigt von Diakon Peter Ricker:
Obernburg am Main
Weit geht der Blick ins Land, weit in die Zeit hinein,
schon vor 2500 Jahren waren Menschen hier daheim.
Kelten nannte man die Siedler mit Namen,
lange Zeit, bevor die Christen hierherkamen.
Kaiser Augustus herrscht in Rom zur Zeitenwende,
da fand der Menschen Sehnsucht dann ein Ende.
Jesus Christus trat ins Erdenleben,
um Wahres, Göttliches, ja Vollkommenes zu geben.
Der Kaiser ist zwar reich an Macht,
doch dieses Reich wird enden in der Nacht.
Während hier residierten Soldaten im Nemaninga
war das wahre Reich, die Gottesherrschaft, längst schon da!
Im 4. Jahrhundert machten sich die Franken breit,
so konnten christliche Missionare nutzen der Stunde Zeit.
Seitdem lebt das Evangelium hier, in Freude und in Schmerz,
geschrieben auf Papier, doch tiefer in der Menschen Herz.
Gefunden wurde in der Römerstraße eine Scherbe,
und diese zeigt schon auf unser großes Erbe:
Darauf zu sehen, und das schon im 4. Jahrhundert:
Christus, Petrus und Paulus, dass ihr euch nicht wundert.
Denn das war und ist der Menschen Glaube,
Christus, der seine Kirch‘ auf die Apostel baiute.
Auf diesem Fundament steht ihr auch heute noch,
Petrus und Paulus flehen: O bitte glaubt uns doch
Und damit, liebe Festgemeinde, sind wir am Patrozinium angelangt. Eine Gemeinde soll Ausdruck ihrer Patrone sein. Und wir haben gleich zwei Schwergewichte, Männer der ersten Stunde. Aber absolut unterschiedlich. Petrus, der Jesus von Anfang an folgte, und Paulus, der ihn auf eine völlig andere Art Weise kennenlernte.
Zwei Männer, die immer einer Meinung waren, zwei Männer, die voller menschlicher Schwächen waren. Einen Konfliktfall zwischen den beiden können wir im Galaterbrief, im 2. Kapitel lesen.
Die Botschaft heute an uns: Vielfalt in der Einheit, lasst alle Kräfte zu, die Bewahrenden und die Visionäre, aber bitte!, der eine lasse den anderen neben sich bestehen.
Und somit wird aus Vergangenheit Gegenwart, vor allem aber Zukunft. Nicht alles war früher besser und nicht alles ist heute schlecht.
Bedenkt, ihr Hörer, und macht es euch klar,
seit 1000 Jahren bringt man hier das Opfer dar,
das Jesus gab am Abend vor dem Leiden,
dass Tod und Auferstehung gegenwärtig bleiben.
1184 heißt der Papst Lucius der Dritte,
wieder steht des Petrus Glaube in der Mitte.
Erstmals man den Ort auf eine Urkund‘ schreibt,
dass Obernburg für alle im Gedächtnis bleibt
Die Feier der Eucharistie ist und bleibt die Mitte. Die Apostel brachen das Brot, sie verkündeten das Leiden, den Tod und die Auferstehung des Christus. Nichts Neues für eine katholische Gemeinde: Von hier aus müssen alle Aktivitäten starten.
Und: Sie taten es Mitleidenschaft, kein lustloses Vorlesen alter Texte. Kein äußerliches Abhandeln von Rieten. Sie identifizierten sich voll und ganz mit der Botschaft des Christus; ihn stellten sie Mitte, nicht sich selbst.
Sie stellten sich den gewaltigen Veränderungen damals. Und bis heute ist nichts konstanter als die Veränderung. Ich wünsche uns Mut, diese Veränderungen gelassen, aber mit vollem Gottvertrauen zu begegnen.
Lassen wir, wie Petrus und Paulus, die vielfältigen Meinungen zu und kommen wir zu einem Ergebnis, auch wenn nicht immer alle zu 100 % Recht behalten.
Wenn wir in das 13. Jahrhundert schauen,
sieht man die Obernburg eine Kapelle bauen.
Mein weiht sie Notburga, der heilig’n Bauernmagd,
weil man ihre Christusliebe hier zum Vorbild hat.
Beendet wurd‘ an diesem Ort der Götterkult,
ab sofort waltet dort Christi Gnadenhuld.
Jetzt, in St. Annas und Joachims Geist,
Obernburg die göttlich‘ Dreifaltigkeit preist.
Ein Blick heute, am Patronatsfest, auf die vielen Ehrenamtlichen, die die Gemeinde tragen und prägen. Danke für eure viele Zeit und euer Engagement. Ihr seid - wie die Apostel - tragende Säulen wollen. Auch diese Ehrenamtlichen sind - wenn Sie wollen - apostolisch. Paulus nennt im 16. Kapitel des Römerbriefes 26 Namen von Mitarbeitern.
Und, aus meiner Sicht, heute noch eine Entlastung für unsere Gremien: Diskutiert nur, solange ihr auch anbetet.
Und ein Blick muss heute auch auf die Geistlichen fallen, die dieser Gemeinde geschenkt sind. Ein Blick in Apostelgeschichte, 14. Kapitel, Paulus und Barnabas setzten sogenannte Älteste als Gemeindeleiter ein, durch Handauflegung und Gebet. Teampfarrer, Moderator, zwei Priester im Ruhestand, die ihre geistliche Kompetenz einbringen. Priester in der heutigen Zeit sind ein Geschenk.
Danke für euren Einsatz!
Und ich denke, wir können diesen Einsatz wertschätzen, indem wir ihre Kompetenz anerkennen.
Petrus ist nicht durch Paulus zu ersetzen, und Paulus nicht durch Petrus. Jeder hat seine, Sendung, Ehrenamtliche wie auch Hauptamtliche!
Wir wollen doch nicht auf einen unserer Patrone verzichten - oder?
Ein Haus voll Glorie schauet weit über alle Land,
eine Kirche wurd‘ errichtet, gebaut durch Obernburger Hand.
Auf dem Petersberg errichtet man die 1. Gottesstadt,
die Christus als Fundament und Schlussstein hat.
1374, zum Kirchenbau keine leichte Zeit,
auch damals kannten Menschen sehr viel Leid.
Die Christen es dennoch zum Zeugnis trieb,
dass das gesegnete Land schaut Gottes Lieb.
Wie es sich für einen berühmten Ort gehört,
gibt’s eine Urkunde, damit es niemand stört,
wenn sich der Ort nennt ab sofort: die Stadt,
weil man alle Qualitäten vorzuzeigen hat.
Am 23.5.1313 schreibt Erzbischof Peter,
dass es im weiten Lande weiß ein jeder:
Erhebt Obernburg zur Stadt,
weil es die Menschen hier verdienet hat.
1722 die zweite Gottesstatt entsteht,
denn Gottes Reich hier niemals untergeht.
Um einzuladen alle Menschen, die draußen - ohne Glauben - sind,
ihnen geistliche Heimat zu geben als des einen Vater Kind.
Wir sind in Obernburg gesegnete mit einer Kirche, einer Unterkirche, einigen Kapellen - St. Anna, St. Wendelinus, St. Franziskus - mit Gebetsstätten z.B. in der Kapellengasse. Doch was nutzt uns die schönste Kirche, wenn niemand mehr zum Gottesdienst kommt. Reihenweise leere Bänke fordern zum Handeln. Aber bitte verfallen in blinden Aktionismus. Lasst uns überlegen, wie wir wieder die leeren Reihen füllen. Ideen sind gefragt, keine Besserwisserei.
Nutzen wir die vielfältigen Gottesdienstangebote, die es schon gibt, Andachten, Stundengebete, die Christusverkündigung durch die Kirchenmusik.
Doch bitte bedenkt: Außerhalb der Botschaft der Apostel gibt es keine katholische Kirche. Doch beide, die wir heute in den Blick nehmen, bieten unzählige Möglichkeiten an, damit die Menschen für Christus brennen und in unseren vielen Gotteshäusern und Gebetsstätten ihren Glauben zum Ausdruck bringen.
Noch ein Blick auf’s Wappen dieser Stadt,
Wild und Wein und Türme es zum Inhalt hat.
So lass dir sagen, Obernburg am Main,
bleibe frei, wie Wild, sag Wahrheit, wie sie liegt im Wein
Sei standhaft, dafür steht der Turm,
vor Gottes Wahrheit schweigt der Zeiten Sturm.
Dank dem Vater, der 1966 wieder Menschen an sich zieht,
durch die Weihe dieser Kirche - Gottes Geists jetzt in ihr glüht;
Dank sei Jesus, durch den die Obernburger werden Christ.
Der durch seines Kreuzes Kraft,
in Obernburg Gottes Volk täglich neu erschafft,
und glaub mir, das unsterblich ist.
So gehen wir aus der Geschichte Zeit,
in Gottes Zukunft in dieser Stunde heut.
Die Richtschnur ist und bleibt die Froh-Botschaft,
die euch als Obernburg Kirche eine geniale Zukunft schafft.
Amen.





